Warum spricht jeder über KI für Unternehmen – aber kaum über KI für Nonprofits

Keine Frage: Generative KI – oder GenAI, LLMs oder einfach KI – ist eines der dominierenden Themen unserer Zeit. Gerade online findet das Thema irgendwie selbst in die kleinste Nische und bringt eine Vielzahl von Reaktionen und Meinungen mit sich.

Von KI-generierten Inhalten über Rechenzentren, Sicherheitsvorkehrungen und Urheberrechtsverletzungen bis hin zu Effizienz und Unsicherheit am Arbeitsplatz: Es gibt kaum einen Bereich der modernen Technologiewelt, den KI nicht beeinflusst – und entsprechend viel, worüber gesprochen wird.

Ob sie unser Leben tatsächlich grundlegend verändern wird, lässt sich noch nicht abschliessend sagen. Eines ist jedoch sicher: Wir müssen darüber sprechen, wie KI Nonprofits beeinflusst – heute und in Zukunft.

Über die Frage, wie KI Unternehmen verändert, wird viel gesprochen – im Guten wie im Schlechten. Es ist an der Zeit, darüber zu sprechen, was sie für den Nonprofit-Sektor bedeutet.

 

Was bedeutet KI also für den Nonprofit-Sektor?

Es ist eigentlich etwas erstaunlich, dass sich so viel Aufmerksamkeit auf den gewinnorientierten Sektor richtet. Denn Nonprofits stehen vor vielen der gleichen operativen Herausforderungen wie Unternehmen – oft unter deutlich schwierigeren Bedingungen.

Sie müssen mit Spenderinnen und Spendern kommunizieren, Freiwillige koordinieren, Förderanträge stellen, Fundraising-Kampagnen organisieren, über ihre Wirkung berichten und ihre Angebote umsetzen – und das alles mit begrenzten Budgets und kleinen Teams. Jeder eingesparte Franken und jede gewonnene Stunde können wieder in ihre Mission investiert werden.

Wenn KI Organisationen tatsächlich dabei helfen kann, effizienter und mit weniger Ressourcen zu arbeiten, müsste das für Nonprofits nicht sogar einen besonders grossen Vorteil darstellen?

 

Ein anderes Verständnis von Erfolg

Die Diskussion rund um KI wird weitgehend von wirtschaftlichen Ergebnissen geprägt. Artikel feiern höhere Produktivität, schnellere Entscheidungsfindung, bessere Kundenerlebnisse und eine stärkere finanzielle Performance. Das sind wichtige Entwicklungen – aber sie spiegeln nur eine Art wider, Erfolg zu messen.

Nonprofits messen Erfolg anders.

Ihre Wirkung zeigt sich in saubereren Flüssen, gesünderen Gemeinschaften, besserer Bildung, stärkerer sozialer Teilhabe und positiv veränderten Leben. Ihre Herausforderung besteht nicht darin, den Shareholder Value zu maximieren, sondern gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen.

Dieser Unterschied ist aus zwei Gründen wichtig.

Erstens lassen sich die negativen Seiten von KI – sei es der Wasser- und Energieverbrauch, die Verlagerung von Arbeitsplätzen oder Auswirkungen auf die Bildung – nicht so einfach ausblenden, wie es manche multinationalen Unternehmen vielleicht tun können. Für eine Nonprofit-Organisation, deren Ziel ausdrücklich darin besteht, die Welt zu verbessern und deren Entscheidungen von ethischen und moralischen Überlegungen geprägt sind, können diese Nachteile ein entscheidender Faktor sein.

Zweitens müssen Nonprofits auch die möglichen Vorteile von KI aus einer anderen Perspektive betrachten. Statt zu fragen: «Wie kann KI unseren Gewinn steigern?», lautet die eigentliche Frage: «Wie kann KI uns helfen, mit den Ressourcen, die wir bereits haben, mehr Wirkung zu erzielen?»

Das ist ein subtiler Unterschied. Aber er verändert die Diskussion darüber, was KI leisten kann, erheblich.

 

Menschen Zeit geben für das, was nur Menschen können

In einer Zeit, in der die gefühlte Sicherheit von Arbeitsplätzen ohnehin auf einem Tiefpunkt ist, liegt der Gedanke nahe, dass KI uns unsere Jobs wegnehmen wird. Für grosse Unternehmen mit Tausenden Mitarbeitenden stimmt es vermutlich zumindest teilweise: Automatisierung wird bestimmte Rollen ersetzen, insbesondere Einstiegspositionen. Auch in der Kreativ- und Kommunikationsbranche erleben Künstlerinnen und Künstler, Autorinnen und Autoren sowie Designerinnen und Designer, dass ihre Arbeit – wenn nicht vollständig ersetzt – zumindest deutlich weniger wertgeschätzt wird.

Die meisten Nonprofits arbeiten allerdings ohnehin mit sehr kleinen Teams. Wenn Ihr nicht gerade Teil einer grossen NGO seid, ist es wahrscheinlich, dass Ihr mehrere Aufgaben, Fachbereiche und Rollen gleichzeitig übernehmen müsst, damit alles reibungslos funktioniert.

Genau deshalb ist eine der grössten Sorgen rund um KI für Nonprofits gleichzeitig eine ihrer grössten Stärken: KI kann repetitive Aufgaben übernehmen und Menschen dadurch mehr Zeit für Arbeit geben, die Empathie, Kreativität, Urteilsvermögen und menschliche Beziehungen erfordert.

Kein Algorithmus kann eine Familie in einer Krise trösten. KI kann keine jungen Freiwilligen begleiten, Spenderinnen und Spender inspirieren oder Vertrauen innerhalb einer Gemeinschaft aufbauen. Diese einzigartig menschlichen Fähigkeiten stehen weiterhin im Zentrum jeder erfolgreichen Nonprofit-Organisation.

Was KI tun kann, ist den administrativen Aufwand zu reduzieren – diese endlose Liste von Aufgaben zu verkürzen, die talentierte Menschen oft davon abhält, sich auf ihre eigentliche Mission zu konzentrieren.

Stellt Euch zum Beispiel eine kleine Nonprofit-Organisation vor, die einen Förderantrag vorbereitet. Anstatt mehrere Tage mit einem ersten Entwurf zu verbringen, kann KI innerhalb weniger Minuten einen gut strukturierten Vorschlag erstellen. Das Team kann seine Zeit dann darauf verwenden, die Inhalte zu verfeinern und die tatsächliche Wirkung der Organisation überzeugend darzustellen.

Dasselbe gilt für Schulungsmaterialien für Freiwillige, Fundraising-Kampagnen, Zusammenfassungen von Meetings, Recherche, Übersetzungen, Newsletter und Social-Media-Inhalte. KI übernimmt die Routinearbeit – während Menschen Perspektive, Beziehungen und Sinn einbringen.

Sinnvoll und verantwortungsvoll eingesetzt kann Technologie wie KI Raum für Leidenschaft und Emotion schaffen, anstatt sie zu ersetzen.

 

Eine Chance für kleinere Organisationen

Grosse Hilfsorganisationen verfügen häufig über Kommunikationsteams, Fundraising-Spezialistinnen und -Spezialisten, Beraterinnen und Berater sowie digitale Fachkräfte. Kleinere Nonprofits haben diese Vorteile selten.

Genau hier hat KI das Potenzial, die Ausgangslage auszugleichen.

Die heutigen KI-Tools werden zunehmend erschwinglich und sind erstaunlich einfach zu nutzen. Eine freiwillige Person ohne technischen Hintergrund kann mithilfe natürlicher Sprache professionelle Kommunikationsinhalte erstellen, Dokumente analysieren, Bildungsmaterial übersetzen oder Fundraising-Kampagnen entwickeln.

Für Organisationen, die nur mit einer Handvoll Mitarbeitenden arbeiten – oder vollständig von Freiwilligen getragen werden –, können diese Möglichkeiten einen grossen Unterschied machen.

KI verschafft kleineren Organisationen Zugang zu Ressourcen, die früher nur deutlich grösseren Institutionen zur Verfügung standen.

In vielerlei Hinsicht demokratisiert KI den Zugang zu Fachwissen.

 

Freiwillige stärken, nicht ersetzen

In der Diskussion über KI stehen häufig Mitarbeitende im Mittelpunkt. Doch Freiwillige sind genauso wichtig.

Millionen qualifizierter Fachpersonen möchten sich für Themen engagieren, die ihnen am Herzen liegen. Doch Zeit bleibt ihre knappste Ressource.

Stellt Euch eine Person mit Marketing-Erfahrung vor, die weniger Zeit mit dem Formatieren von Präsentationen und mehr Zeit mit der Entwicklung kreativer Kampagnen verbringt. Oder eine Softwareentwicklerin, die sich auf digitale Lösungen konzentrieren kann, statt Routineprozesse zu dokumentieren. Oder jemanden im Fundraising, der mehr Zeit im Austausch mit Unterstützerinnen und Unterstützern verbringt, anstatt Berichte vorzubereiten.

Indem KI administrative Arbeit reduziert, kann jede Stunde freiwilligen Engagements mehr Wirkung entfalten.

Sie ersetzt Freiwillige nicht – sie kann freiwilliges Engagement sinnvoller machen.

Für Plattformen wie Copalana, die qualifizierte Freiwillige mit Nonprofits zusammenbringen, ergibt sich daraus eine interessante Chance. KI kann Freiwilligen helfen, schneller, effektiver und mit mehr Sicherheit beizutragen. Dadurch können Organisationen von Fachwissen profitieren, das sonst möglicherweise ausserhalb ihrer Reichweite läge.

 

Und was ist mit den Nachteilen?

Bei Copalana nutzen wir KI in einzelnen Bereichen und bieten auch KI-gestützte Funktionen an. Gleichzeitig wären wir die Ersten, die anerkennen würden, dass es berechtigte Nachteile und Bedenken gibt.

Neben den bereits erwähnten Nachhaltigkeitsfragen – sowohl für die Umwelt als auch für Menschen – stellt sich auch die Frage nach Authentizität.

Wenn eine Nonprofit-Organisation KI nutzen möchte und der Ansicht ist, dass die Vorteile die Kosten und Risiken überwiegen, muss sie dennoch sicherstellen, dass Inhalte überprüft werden. Sensible Daten, persönliche Geschichten und die Menschen dahinter müssen geschützt werden. Transparenz muss gewahrt bleiben, und mögliche Verzerrungen müssen berücksichtigt werden.

Menschliche Kontrolle wird immer entscheidend bleiben – insbesondere dann, wenn Entscheidungen vulnerable Gemeinschaften betreffen.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit KI sollte niemals erst im Nachhinein berücksichtigt werden.

Das Ziel sollte nicht sein, Entscheidungen zu automatisieren, sondern bessere Entscheidungen zu unterstützen.

Wie jede leistungsfähige Technologie sollte auch KI von den Werten der Menschen geleitet werden, die sie einsetzen.

 

Ist KI die Zukunft von Social Impact?

Vielleicht liegt die grösste Chance nicht darin, was KI selbst tun kann, sondern darin, was sie Menschen ermöglicht.

Wenn Mitarbeitende von Nonprofits weniger Zeit mit dem Schreiben von Berichten verbringen, können sie mehr Zeit mit den Gemeinschaften verbringen, für die sie arbeiten.

Wenn Freiwillige administrative Aufgaben schneller erledigen können, bleibt mehr Zeit für Mentoring, Unterricht, Design oder Fundraising.

Wenn Organisationen effektiver kommunizieren, können sie mehr Unterstützerinnen und Unterstützer erreichen, zusätzliche Freiwillige gewinnen und letztlich mehr Wirkung erzielen.

Künstliche Intelligenz wird den Nonprofit-Sektor zweifellos verändern. Bei Copalana sind wir keine KI-Evangelisten und werden keine grossen Versprechen über eine vermeintlich utopische Zukunft machen – auch wenn wir KI in bestimmten Bereichen für sinnvoll und nützlich halten. Wir möchten nicht den Eindruck erwecken, dass Ihr «den Anschluss verliert», wenn Ihr sie nicht nutzt.

Aber wir glauben, dass Zeit eine der wertvollsten Ressourcen ist, die eine Nonprofit-Organisation hat. Und sinnvoll eingesetzt kann KI Euch mehr davon geben – insbesondere, wenn Ihr als kleines Team arbeitet.

Sie kann Hürden abbauen, unnötigen Aufwand reduzieren und engagierten Menschen helfen, sich auf das zu konzentrieren, was sie am besten können: positive Veränderungen schaffen.

Raphael Shinners
About the author
Raphael Shinners
As the head of communications for the platform, it's no surprise that Raph believes in the power of words. He's a skilled craftsman of language, always searching and often finding just the right way to inform, captivate, and inspire. As a long-time world traveller, he's seen first-hand so many of the challenges we face, and knows how important it is to connect effectively, to tell each other our stories, and to help each other rewrite the narrative of the planet.
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